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Monatskommentar Juli 2023

Aktualisiert: 20. Sept. 2023

Liebe Anlegerinnen, Liebe Anleger,


diesen Monat berichte ich wie gewohnt zur Fondsentwicklung und stelle Ihnen eines unserer Unternehmen im Fonds vor. Daraufhin gehe ich auf die weltweite Energieversorgung ein. Zugegeben ein komplexes Thema, welches ich Ihnen anschaulich präsentieren möchte. In der oft aufgeladenen Diskussion zwischen Interessenvertretern, bietet die Orientierung an der Faktenlage einen hilfreichen Anker.


Seit Anfang Juli 2023 bin ich eine Koooperation mit Honovi Invest eingegangen. Jörn Schiemann und Christian Brockhoff unterstützen mich fortan beim Vertrieb des WertArt Capital Fonds AMI. Dadurch kann ich mich noch intensiver um die Auswahl der besten Investments für unseren Fonds kümmern. Am 13. September 2023 um 10 Uhr starten wir mit einem gemeinsamen Webinar. Gerne können sie sich hier vorab registrieren.


Im Juli stieg der WertArt Capital Fonds um 3,4%. Der MSCI World Small Cap Index legte um 3,5% und der MSCI World Index um 2,9% zu. Seit Jahresanfang gewann unser Fonds 8,7%. Der MSCI World Small Cap Index legte seit Jahresanfang um 8,3% zu und der MSCI World Index um 14,3%.


In unserem konzentrierten Portfolio konnte Vesuvius aus London im zurückliegenden Monat gute Ergebnisse melden: Der globale Konzern beliefert vornehmlich Stahlwerke mit Feuerfestprodukten sowie Verbrauchsgütern und Anlagen für die Strömungskontrolle beim Strangguss. Obwohl allgemein die Stahlproduktion in Vesuvius‘ Absatzmärkten (Welt ohne China) im ersten Halbjahr um 4,5% zurückging, konnte das Unternehmen seine Umsätze gegenüber dem Vorjahr stabil halten.

Ein wichtiges Merkmal ist, dass Vesuvius Produkte von den Kunden regelmäßig verbraucht werden und wichtig sind für eine effiziente und qualitativ hochwertige Fertigung. Gleichzeitig machen die Vesuvius Produkte nur einen geringen Teil der Gesamtkosten der Kunden aus. Aufgrund seiner führenden Technologiestellung und der Relevanz seiner Produkte für eine funktionierende Produktion, konnte Vesuvius die gestiegenen Kosten bereits im letzten Jahr weitgehend an die Kunden weiterreichen. Die Bewertung der Aktie bleibt vor diesem Hintergrund attraktiv. Das Unternehmen ist mit 3,1% im Fonds gewichtet.


Einige Fakten und Einschätzungen zur globalen Energieversorgung


Gestern gaben BASF und der US-Flüssiggaskonzern Cheniere einen langfristigen Liefervertrag bekannt. Cheniere wird in Zukunft 1,1 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas pro Jahr an BASF liefern. Die USA gelten gerade als großer Gewinner beim Energieexport und der Versorgung aufgrund ihrer Erdgas- und Erdölvorkommen sowie des reduzierten Wettbewerbs mit Russland. Aber können die USA die Rolle des weltweiten oder zumindest europäischen Energieversorgers langfristig leisten? Gleichzeitig gelten erneuerbare Energien als langfristige Lösung für die Unabhängigkeit von fossiler Energie und die Reduktion von Treibhausgasen. Aber wo stehen wir eigentlich gerade in der Transformation und welche Herausforderungen bestehen?



Im Jahr 2022 erzeugte die Menschheit 7,5% des primären Energiebedarfs mit Sonnen-, Wind- und Biomassenenergie. Addieren wir die Wasserkraft hinzu, erhöht sich der Anteil am gesamten Energiebedarf auf 14,2%.


Vor 10 Jahren steuerten erneuerbare Energien lediglich 1,9% zum primären Energiebedarf bei (oder 8,6% inkl Wasserkraft).


Interessant ist auch wie sich der Verbrauch erneuerbarer Energien auf die einzelnen Länder verteilt. Die folgende Tabelle zeigt die weltweit fünf größten Verbraucher erneuerbarer Energien:

Anteil am globalen Verbrauch erneuerbarer Energien

2022

2012

China

29,4%

13,4%

USA

18,7%

21,4%

Brasilien

5,6%

4,7%

Deutschland

5,4%

11,0%

Japan

3,4%

3,5%


Die Betrachtung macht deutlich, dass China in 2022 fast ein Drittel der global produzierten erneuerbaren Energie verbrauchte. Der Anteil Deutschlands halbierte sich in den letzten 10 Jahren.


Da Erneuerbare Energien zzgl. Wasserkraft nur 14,2% des globalen Primärenergiebedarfs abdeckten, stellt sich die Frage, in welchem Maße andere Energieträger zur Versorgung beitrugen:

Anteil am globalen Primärenergiebedarf

2022

2012

Erneuerbare Energien

7,5%

1,9%

Wasserkraft

6,7%

6,7%

Atomenergie

4,0%

4,5%

Kohle

26,7%

29,9%

Erdgas

23,5%

23,9%

Erdöl

31,6%

33,1%


Obwohl die Atomkraft in der EU mittlerweile als nachhaltig eingestuft wird und auch Japan gerade seine Atomkraftwerke wieder hochfährt, bleibt der Anteil der Atomkraft in der globalen Betrachtung vernachlässigbar.


Erstaunlich bleibt für mich, wie hoch der Kohleverbrauch ist. In 2022 wurden 26,7% des weltweiten primären Energiebedarf mit Kohle erzeugt. Wie vor zehn Jahren entfallen davon wiederum mehr als 50% auf China.


Erdgas gilt laut EU nun ebenfalls als nachhaltig. Erdgas soll als fossiler Brennstoff für den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung genutzt werden.


Erdöl war weiterhin der wichtigste Energieträger im Jahr 2022. Die Menschheit verbraucht täglich rund 100 Millionen Barrel oder 15,9 Mrd. Liter Öl. Die Verteilung zwischen OECD Ländern und nicht-OECD Ländern liegt heute bei rund 50 zu 50. Während der Erdölverbrauch in den OECD Ländern unverändert blieb stieg er in den nicht OECD-Ländern zwischen 2012 und 2022 um 1,9% pro Jahr. Die USA verbrauchten in 2022 mit rund 332 Millionen Einwohnern mehr Erdöl als China und Indien mit zusammen 2.800 Millionen Einwohnern.


Fossile Energieträger stützen den Ausbau erneuerbarer Energien bis zum Erreichen der Eigenständigkeit


Der Ausbau erneuerbarer Energien geht weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen einher. Kritiker sehen den Bedarf an Ressourcen während der Herstellung um ein Vielfaches höher als bei der konventionellen Stromerzeugung. Stahl, Beton, Kupfer und Fläche werde in weitaus größerem Masse benötigt als bei der Herstellung und Vernetzung von konventionellen Kraftwerken.


Der Strom muss zudem über weitere Strecken befördert werden. Dafür muss die „Netzinfrastruktur“ geschaffen werden. Gleichzeitig gehen beim Transport von Elektrizität auf Basis heutiger Technologie große Mengen verloren (ein Nachteil im Vergleich zu Pipelines).


Außerdem sind die Flaute (oder starke Stürme) die Feinde der Windkraft und die Nacht (oder die Wolken) die Feinde der Sonnenenergie. Im Fall einer Dunkelflaute (Nacht + Windstille) können Wind und Sonne nicht zur Stromerzeugnis beitragen. Ohne das Bereithalten von entsprechenden Reserven in Form von Kohle-, Gas-, und Atomkraftwerken würde heute die Versorgung mit Elektrizität bei Dunkelflauten stark beeinträchtigt. Denn die Technologien und die Kapazitäten für z.B. die Speicherung von ausreichend Elektrizität, um Dunkelflauten auszusitzen, sind noch nicht vorhanden. Zum Beispiel könnten Elektroautos mit ihren Batterien in Zukunft als mobile Speicher dienen.


Die Kosten des Umbaus, die höhere Nachfrage und die Vorhaltung von Kapazitäten führen daher aus meiner Sicht in Ländern mit steigendem Anteil erneuerbarer energien auf absehbare Zeit zu steigenden Strompreisen. Interessant wird sein, wie diese Kosten zukünftig zwischen dem Staat, Verbrauchern und Produzenten sowie evtl. Dritten aufgeteilt werden.


Die USA gelten als Gewinner - auch dauerhaft?


Die USA konnten durch eine Weiterentwicklung der Fördertechnologie bestehende Reserven im Schiefergestein anzapfen. Durch Fracking stiegen die USA in den 2010er Jahren zum größten Produzenten von Erdöl auf. Die drei größten Erdölproduzenten sind heute die USA, Saudi-Arabien und Russland:



Auch die Förderung von Erdgas konnten die USA durch Fracking ausbauen und sind heute mit großem Abstand vor Russland und dem Iran der größte Förderer von Erdgas:



Seit 2019 fördern die USA deutlich mehr Erdgas als sie selbst verbrauchen. Langfristig geplante Investitionen in den Ausbau von Flüssiggasanlagen ließen die USA in den letzten Jahren zu einem der drei größten Exporteure von Flüssiggas aufsteigen.



Während die größten Abnehmer von Flüssiggas bisher China, Japan und Süd-Korea waren, setzen nun auch die europäischen Staaten und hier vor allem Deutschland auf den Import von Flüssiggas. Durch den Wegfall Rußland’s können die USA ihr Produkt nun umfangreich nach Europa liefern. Für die USA ist dies soweit ein profitables Geschäft, da die Gaspreise in Europa um ein Vielfaches über den Preisen in den USA liegen.


Gleichzeitig konnten die USA ihre Abhängigkeit vom Mittleren Osten als Energielieferanten auf ein Minimum reduzieren. Bis 2020 schien Saudi-Arabien besorgt über die Ausweitung der US-Produktion und versuchte seinerseits mehrfach durch eine kurzfristige Ausweitung der Fördermengen einen Fall des Ölpreises auszulösen. Damit wollte Saudi-Arabien die hoch verschuldeten Förderunternehmen in den USA aus dem Markt drängen.


Gerade ist die Situation umgekehrt. Saudi-Arabien senkt seine Erdöl Förderung, obwohl die USA Saudi-Arabien in 2022 mehrfach dazu aufforderten ihre Produktion zu erhöhen. Saudi-Arabien mag die Forderungen der USA auch aus politischen Gründen zunehmend ignorieren. Gleichzeitig scheinen die geringen Investitionen in neue Förderquellen seit 2014 in Saudi-Arabien ihre Wirkung zu zeigen. Die USA waren der einzige wesentliche Förderer von Erdöl und Erdgas, welcher die steigende Nachfrage in den letzten 10 Jahren bedienen konnte. Fast 10% des täglichen weltweiten Erdölkonsums stammen mittlerweile aus US-Schiefervorkommen. Die Produktion findet in 6 Regionen in den USA statt. Die folgende Grafik macht die Bedeutung der Permian Region für die weltweite Versorgung mit Erdöl deutlich. Letztendlich geht der Zuwachs an Erdölförderung auf diese eine Region in Texas/New Mexico zurück:




Interessant ist zum einen, dass die anderen 5 Regionen ihre Förderung nicht ausweiten konnten (Trotz hoher Ölpreise in den letzten 12 Monaten). Wenn die Förderung im Permian ebenfalls ein Plateau erreicht haben sollte, werden die USA den (wahrscheinlich) wachsenden Bedarf an Rohöl in den kommenden Jahren wohl nicht mehr decken können. Es wird anderer Quellen bedürfen oder die Preise für Rohöl steigen weiter. Der CEO von Pioneer Natural Resources, ein Erdölförderunternehmen mit relativ hohen Erdölreserven im Permian, sprach im letzten Analystencall bereits von einer zunehmenden Angebotsverknappung in den kommenden Jahren und einer daraus resultierenden Konsolidierung des Wettbewerbs.


Blicken wir auf die US-Erdgasproduktion durch Schiefervorkommen, stammen von dort mittlerweile rund 20% der weltweiten Gasförderung. Aufgrund der Ausweitung der Flüssiggasexporte kommt den Schiefervorkommen ein große Bedeutung zu. Denn rund 80% der US-Erdgasförderung stammt aus Schiefervorkommen in den folgenden 7 Regionen:



Der Anstieg der Förderung verteilt sich beim Erdgas auf 3 Regionen. Allerdings scheinen sich auch hier die Produktionszuwächse abzuflachen.


Für die USA und große Teile der Welt hängt die derzeitige Versorgung mit Erdgas und Erdöl somit von ein paar Regionen in den USA ab. Es erscheint zumindest fraglich, ob die USA als Exporteur günstiger fossiler Energie in Zukunft bestehen können.


Viele Grüße aus Traunstein

Benedikt olesch, CFA




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